Das war es denn wohl bald mit dem Handel mit Bio-Produkten …

denn wir werden die in Zukunft wahrscheinlich aus unserem Lieferprogramm rausnehmen müssen, oder die Preise kräftig erhöhen. Warum? Weil wir als reines Handelsunternehmen kein Bio-Zertifikat haben, welches der EU-Richtlinie für biologische Landwirtschaft entspricht. Und nach einer neuen, abmahnfähigen Auslegung der Bio- Richtlinien brauchen selbst Zwischenhändler eine Öko-Zertifizierung, um Bio-Produkte an Endkunden verkaufen zu dürfen.
Warum? Laut EU-Bio-Richtlinie muss gewährleistet sein, dass eine klare räumliche Trennung zwischen Bio-Produkten und konventionellen Produkten stattfindet und praktiziert wird. Diese klare Trennung wird im Rahmen einer (ziemlich kostenpflichtigen) Bio-Zertifizierung überprüft, und im Erfolgsfalle per Zertifikat nachgewiesen.
Falls diese Richtlinie so umgesetzt wird, bedeutet das für uns, dass eine klare Trennung bei Transport, Lagerung, Aufbewahrung und Versand zwischen „Bio“ und „konventionell“ betrieben werden muss. Im Extremfall: Bio-Produkte dürfen nicht mehr im selben Raum gelagert oder bereitgestellt werden wie die konventionellen, müssen in einem anderen raum verpackt werden, und müssen auch separat bezogen werden. Und im Bio-Raum muss sichtbar das Bio-Zertifikat an der Wand hängen. Zweimal fahren statt einmal – alles nur für die Umwelt- das ginge vielleicht noch, aber die vierstelligen Beträge, die zwei bis drei mal im Jahr für die Zertifizierung fällig sind, wirft unser Handel mit Bio-Produkten nicht ab.
Bei einem produzierenden Betrieb mag diese strikte Kontrolle das Risiko ausschliessen, dass Bio-Produkte konventionell kontaminiert werden (oder umgekehrt), aber bei einem reinen Handelsunternehmen wie bei uns, welches ausschliesslich original etikettierte und original verpackte Produkte einkauft und versendet? Soweit kann ich mich auf unsere Lieferanden verlassen. Und das EU-Bio-Siegel, welches unsere Produkte tragen, ist schliesslich was anderes als Kaufhaus-Öko-Bio a la Billig-Discounter.
Misstrauen gegenüber echtem und falschem Bio, und vorsätzlicher Vertauschung  ist angebracht und auch richtig –  ich war  vor noch gar nicht langer Zeit selber Zeuge. Am späten Nachmittag gab es in einem Großmarkt quasi keine Kartoffeln mehr, nur noch in 5 Kilo-Säcken. Dabei bietet dieses Unternehmen sonst eine vergleichsweise große Auswahl an. Ich fragte nach, wann es denn neue Kartoffeln gäbe. „Der Service der Gemüseabteilug kümmert sich sofort drum“. Ich ging weiter einkaufen und kam dann zur Gemüse-Abteilung zurück. Aber der Mtarbeiter war noch bei der Arbeit, die „verschiedenen“ Kartoffelsorten einzusortieren und ich durfte zusehen: 5-Kilo-Sack aufschneiden, die sauberen kleinen werden „Neue Kartoffeln“, die Normalen „Regionales Erzeugnis“, und die komisch aussehenden und angegammelten werden „Bio“. In dem Falle allerdings Kaufhaus-Bio der Eigenmarke, versteht sich. Und die im Werbetext vorkommenden Ausdrücke „ausgewählt“ und „Handverlesen“ stimmt wohl auch in gewisser Weise.

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Veröffentlicht am 19. Oktober 2012 in Shop und Co. und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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