Die Zitrone des Nordens …

Nomen est omen: was die Namen aussagen.
Schlägt man in alten Büchern oder im Internet nach, oder befragt Eingeborene, so finden sich für den Sanddorn zahllose Namen, die fast alle auf die wehrhaften Stacheln, auf die Farbe der reifen Früchte oder auf das Vorkommen auf den sandigen Böden an der Nord- und Ostsee anspielen: Dünendorn, Audorn, Haffdorn, Seedorn, Rote Schlehe, Falsche Schlehe, Sandbeere, Feuerdorn, Meerdorn, Seedorn, Weidendorn, Fasanbeere, Korallenbaum, Stranddorn oder Dünendorn, etc. Lediglich die „Rote Schlehe“, und, wenn auch mit einem etwas negativen Unterton, die „Falsche Schlehe“ spielen auf eine Nutzung des Sanddorns bzw. seiner Früchte an.
Der reißerische Name „Die Zitrone des Nordens“ hat, im Gegensatz zu den oben erwähnten Namen, keine allzulange heimische Tradition; zumindest nicht für Sanddorn. Er ist auf moderne Werbemaßnahmen zurückzuführen, und spielt auf den hohen Vitamin C- Gehalt der Früchte an. Nach der Enteckung des Vitamin C (Identifikation von Ascorbinsäure als Anti-Skorbut-Vitamin) in den 30ger Jahren des letzten Jahrhunderts, und der nachfolgenden Bestimmung der Vitamin C-Gehalte in diversen Pflanzen und Pflanzenteilen stellte sich heraus, dass Sanddornbeeren mehr Vitamin C enthalten als Zitronen. Für die aufkommende Anwendung, Nutzung und Vermarktung von Sanddorn-Produkten in Deutschland ein perfekter Slogan.
Dabei ist die Bezeichnung „Zitrone des Nordens“ nicht neu, sie wurde lediglich an einen neuen Preisträger verliehen. Den Titel als „Zitrone Nr. 1“ führte (aufgrund ihrer „zitronengelben“ Farbe) für die Zeit davor nämlich die Quitte.

Apfel Quitte

Hat der rechte Apfel etwa auch Gelbsucht?

Leider war „quittengelb“, als Synoym für Zitronengelb, nach dem ersten Weltkrieg zu einer anderen Bezeichnung (bzw. Beschreibung) für die Hautfarbe von Gelbsuchtkranken (meist Hepatitis-Patienten mit Leberversagen) geworden. In der Beschreibung zwar sehr zutreffend, aber das passte gar nicht mehr zum Image eines gesunden Obstes, wie es auch die Quitte ist. Kinderfragen in der Art wie“ Mami, hat dieser Apfel auch Gelbsucht?“ ruinierten den Ruf der Quitte endgültig, und die goldene Zitrone ging, nach ca. 50 Jahren Vakanz, an den Sanddorn.
Das war nach der Entdeckung des Vitamin C. Es sei nochmal drauf hingewiesen, was alle oben erwähnten, traditionellen Namen aussagen (die z. T. Jahrhunderte älter sind als die „Zitrone“): Da steht diese dornige Pflanze halt am Strand oder im Sand, oder auf den Dünen rum. Traditionelle Namen enthalten fast immer beschreibende Hinweise auf die Nutzung der Pflanzen. Bei Sanddorn: Fehlanzeige. Nichts von lecker, gesund oder hilft gegen Vitamin C-Mangel. In Deutschland war die heilende Wirkung kaum bekannt. Gegen Skorbut (= Scharbock, = Vitamin C-Mangel) wurde traditionell das Scharbockskraut gegessen. Der Name sagt alles. Scharbockskraut gibt es allerdings nur im Frühjahr, und ist, selbst mit viel Naturverbundenheit und viel Gewürz beurteilt, nicht sehr lecker. Während und nach der Blüte ist es sogar giftig. Sanddornprodukte wären eine leckerere Alternative gewesen. Aber das wusste in Deutschland für lange Zeit fast niemand.

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Veröffentlicht am 22. November 2011 in Sanddorn und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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